Ein paar Anmerkungen zum “Fleischskandal bei Tönnies”

Knuts Meinung zum Zeitgeschehen

Der sogenannte Fleischskandal ist keine temporäre Angelegenheit, sondern ein seit zwanzig Jahren anhaltender Zustand in der Fleischindustrie. Ich persönlich bin 1996 das erste mal über solche Zustände “gestolpert”, als man einen guten Freund von mir, der gelernter Fleischer ist, in Radeberg bei Korch, raus geworfen hat und anschließend Polnische Arbeitskräfte per Werksvertrag rangekarrt hat. Damals wollte ich erst nicht glauben das so etwas geht. Aber es geht. Und das ist schon sehr lange so.

Heute gibt es diese Zustände fast überall in der Lebensmittelindustrie. Auch in der Backwarenindustrie und Getränkeindustrie sind Werksverträge heute die Regel und nicht die Ausnahme. Als ich im Januar bei der Berufsgenossenschaft zum Lehrgang war, gab es nicht einen Kollegen in dessen Firma keine Zeitarbeiter und Werksvertragler angestellt waren.

Ich bin nicht auf die ausländischen Kollegen sauer

Ich bin definitiv nicht auf die Ausländischen Kollegen sauer. Fast alle von denen würden lieber in ihrer Heimat arbeiten, anstatt durch die halbe Welt zu reisen um vernünftiges Geld zu verdienen. Egal mit wem man sich über dieses Thema unterhält. Ob mit dem Zeitarbeiter aus Eritrea oder dem polnischen Kollegen. Alle möchten, wenn es ginge nach Hause zurückkehren.

Schuld und Verantwortung

Schuld an dem ganzen Dilemma ist die Gier der Aktionäre und der Konsumenten. Gier ist die Triebfeder nach billigen Produkten. Die Gier nach mehr Geld ist der Antrieb der Aktionäre. Beides bedingt sich. Und es gibt momentan keinen Akteur von genug Gewicht der dem entgegentreten kann. Der Akteur wäre die Politik. Doch die Politik versagt seit Jahren auf der ganzen Linie!

Die Politik hätte die Mittel und Möglichkeiten solche Zustände zu verhindern. Doch die Politik hat sich kaufen lassen und lässt zu, das uns die Akteure in der Industrie jeden Dreck verkaufen dürfen. Es wäre mühselig nur die bekannt gewordenen Lebensmittelskandale der letzten Jahre aufzuzählen. Vergammeltes Dönerfleisch. Leber schädigender Isoglukosesirup in fast allen Backwaren, Säften und Milchprodukten. Schweinepest, Rinderwahn und so weiter und so fort.

Es ist total irre was in dieser Lebensmittelindustrie läuft. Und Dr.Oetker, Nestlee, Aldi, Lildl, REWE, Tönnies und Co verdienen sich eine goldene Nase. Normalerweise müsste man sofort Zeitarbeit und Werksverträge für alle verbieten. Doch nichts passiert.

Respektloser Umgang mit Mitarbeitern

Der Corona-Skandal* hat das Leben der aus Rumänien, Polen und Bulgarien stammenden Beschäftigten ins Rampenlicht gerückt. Der Reichtum von Konzernen wie Tönnies beruhe „auf maximaler Ausbeutung“, sagt Volker Brüggenjürgen, Caritas-Vorstand im Kreis Gütersloh. „Manche Arbeiter halten es nur Monate oder wenige Jahre aus. Aber es kommen immer Armutsmigranten aus Südosteuropa nach. Zunehmend sind es bildungsferne Menschen aus Landstrichen, wo es keine Arbeit gibt, die dann hier ausgepresst werden.“

https://www.merkur.de/welt/coronavirus-toennies-guetersloh-arbeitsbedingungen-billiglohn-schlachthof-mitarbeiter-13809175.html

Dem kann ich nur zustimmen. Schlimmer noch. Die Kollegen müssen die Kampfpreise für Aldi & Co. ausbaden

Tönnies und Konsorten sind nur deshalb so reich, weil diese, in meinen Augen kriminellen Unternehmen, die Lohnkosten durch das Anwerben von Arbeitern aus Billiglohnländern mit illegalen Methoden extrem senken. Der Lohnkosten-Anteil am Umsatz beträgt gerade einmal fünf bis sechs Prozent. Überstunden werden nicht bezahlt. Das Reinigen des Arbeitsplatzes gilt nicht als Arbeitszeit. Abgezogen werden oft noch die Kosten für die Arbeitskleidung, persönliche Schutzausrüstung und die Unterkunft.

All das wird uns im Moment als kleiner Betriebsunfall verkauft. Und alle, insbesondere die mit Werbeanzeigen gekaufte Presse, macht bei der ganzen Scheiße mit. Wir regen uns über randalierende “Asoziale” auf. Doch die wirklich Asozialen sitzen in den Parlamenten, in Chefetagen und Redaktionen. Es ist eine Schande was hier gerade läuft.

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