Mindestlohn: Das sind die Tricks der Unternehmen!

Ab Januar 2015 gilt der Mindestlohn von 8,50 €. Während sich Arbeitnehmer über einen einheitlichen Mindestlohn freuen, versuchen Arbeitgeber mit verschiedenen Tricks den Stundensatz zu umgehen. Aber wie funktioniert das genau? Wie sieht der Katalog der Tricksereien aus und in welchem Gewerbe kann der Arbeitnehmer um seinen Mindestlohn betrogen werden?

Mindestlohn oHier mal ein paar Tricks die derzeit vorbereitend angewendet werden:

Falsche Listen auf dem Bau

Das Baugewerbe ist ein Vorreiter, hier gibt es bereits einen Mindestlohn. Das Problem: Es gibt sehr unregelmäßige Arbeitszeiten. Mal erlaubt die Jahreszeit einen frühen Beginn, mal ist es zu nass für bestimmte Arbeiten. Deshalb müssen Unternehmen Buch darüber führen, wann ihre Angestellten tatsächlich mit der Arbeit beginnen und wann Feierabend ist.

Doch werden die Listen häufig manipuliert sagt die IG Bau. Wer den Mindestlohn umgehen will, betrügt hier. Wie viele der rund 70.000 Betriebe falsche Arbeitszeiten vermelden, will die IG Bau nicht einschätzen. Doch die Zahl der Arbeiter, die aus dem EU-Ausland auf deutsche Baustellen entsandt sind, lässt Rückschlüsse zu. Rund 90.000 sind offiziell gemeldet. Nach Gewerkschaftsschätzung dürften weitere 90.000 nicht gemeldete hinzukommen. “Der Grund kann eigentlich nur Missbrauch sein”, so ein Sprecher der Gewerkschaft.

Eine weitere Variante: Eine Stunde wird abgerechnet, tatsächlich musste der Maurer oder Fliesenleger aber 70 oder 80 Minuten arbeiten. “Man rechnet einfach irgendwelche Stunden ab, das kann man praktisch überall machen”, sagt Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Falsche und zu hohe Vorgaben

In vielen Branchen sind für bestimmte Tätigkeiten feste Zeiten vorgesehen. In einem Krankenhaus oder Hotel kann der Arbeitgeber der Reinigungsfrau beispielsweise die Vorgabe machen, einen bestimmten Flur in zwei Stunden zu reinigen. Dabei weiß auch er: für diesen Flur braucht die Angestellte eigentlich 2,5 Stunden. Der Arbeitgeber ist aber weisungsbefugt und kann so Tätigkeiten zuschreiben, die in der vorgegebenen Zeit gar nicht zu erledigen sind, Das Nachsehen hat der Arbeitnehmer – denn er muss die halbe Stunde “nacharbeiten” – natürlich unbezahlt. Der Mindestlohn steht in solchen Fällen nur noch auf dem Papier.

Ähnliche Fälle werden auch von Paketdiensten berichtet. Hier machen manche Unternehmen ihren Fahrern strenge Zeitvorgaben für einzelne Touren. Doch das ist schnell Makulatur. Es reicht ein Stau, in den der Fahrer unverschuldet gerät.

Scheinselbstständige

Unternehmen kündigen ihren Angestellten und lassen sie nur noch als Selbstständige arbeiten. Für die gilt der Mindestlohn nicht. Weil sie aber weiterhin für ein einziges Unternehmen tätig sind, sind sie sogenannte Scheinselbstständige – es ist ein enormer Betrug an den Steuerkassen und Sozialversicherungen.

Dieses System kommt oft auf Baustellen zum Zug. So gibt es ausländischer Arbeiter, die in Bussen zum Gewerbeamt gefahren werden und sich dort als Selbstständige melden müssen. Die Bauarbeiter, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen, wissen häufig gar nicht, was sie da unterschreiben. Angeblich, so wird es von den Firmen verkauft, handelt es sich um eine reine Formalie.

Aus Vollzeit wird Teilzeit

Relativ neu im Tricksereien-Katalog ist die Umwandlung einer Vollzeit- in eine Teilzeitstelle bei gleicher Arbeitszeit. Erste Berichte gibt es in Friseurbetrieben und in der Gastronomie, in denen die Vollzeitstelle bislang nicht nach Mindestlohn bezahlt wird. Dabei wird die Arbeitszeit auf dem Papier auf Teilzeit gesenkt. Weil am Gehalt nicht geschraubt wird, verdient der Angestellte nun formal den Mindestlohn. Allerdings nur auf dem Papier: Er oder sie muss trotzdem Vollzeit anrücken.

Trotz der Betrugsmöglichkeiten scheint man im Arbeitsministerium nicht das Gefühl zu haben, beim Mindestlohn-Gesetz unnötig viele Schlupflöcher gelassen zu haben. Angesprochen auf die Tricksereien verweist ein Sprecher auf die Zuständigkeit des Zolls, der kontrollieren soll. Die Behörde soll 1.600 neue Mitarbeiter einstellen – allerdings erst deutlich später als ursprünglich geplant.

Eine gewisse Mitschuld sehe ich allerdings auch bei Arbeitnehmern, die falsche Angaben ihres Arbeitgebers nicht monieren und decken. Zum Ausnutzen gehören immer zwei. Ich weiß, dass im Zweifel die Schwächsten ausgenutzt werden. Doch wer sich nicht wehrt bleibt immer ein Opfer solcher Praktiken.

One thought on “Mindestlohn: Das sind die Tricks der Unternehmen!”

  1. Hier wird sicherlich jedes Unternehmen versuchen drum herum zu kommen und bei den vielen Ausnahmen, die der Mindestlohn mit sich bringt, wird dies vermutlich auch nicht schwer sein. Hier muss sich deshalb in Zukunft noch einiges mehr tun, damit endlich auch die Arbeitnehmer vom Mindestlohn profitieren, der aus mener Sicht regelmäßig neu überprüft und berechnet werden sollte.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: