Neues vom Betrug um Gorch Fock

Werft will “Gorch Fock” als Pfand behalten

Im Auftrag der Elsflether Werft repariert die Bremerhavener Bredo-Werft das Segelschulschiff “Gorch Fock”. Dass dessen Sanierung alles andere als rund läuft, ist bekannt.

Die Kosten sind explodiert, die Elsflether haben Insolvenz angemeldet – und die Bremerhavener bleiben auf ihren Kosten sitzen. Nun droht die Bredo-Werft offenbar damit, die “Gorch Fock” als Pfand zu behalten: Sollten nicht wenigstens 4,3 Millionen Euro ausgezahlt werden, gebe man das Schiff nicht frei.

Gorch Fock als Pfand

“Ohne Zahlung kein Ausdocken”

Eigentlich ist geplant, die “Gorch Fock” im Juni auszudocken. Einem Bericht zufolge erwägt Bredo, dies zu verhindern.

“Gegen Zahlung von 4,3 Millionen Euro netto geben wir die Zurückbehaltungsrechte auf und docken die ‘Gorch Fock’ aus. Ohne Zahlung kein Ausdocken!”

Werft: Der Rumpf gehört uns

Im März hatte der Bredo-Geschäftsführer laut Bericht eine Liste mit Forderungen an das Ausrüstungsamt der Bundeswehr in Koblenz gesandt. Dieser zufolge hatte die Elsflether Werft ausstehende Rechnungen in Höhe von 11,3 Millionen Euro nicht beglichen. Da ein Insolvenzverfahren läuft, müsste die Werft, ebenso wie die anderen Gläubiger, dieses eigentlich abwarten.

Doch aus Bremerhaven kommen zwei Argumente dagegen: Durch die fehlenden Zahlungen sei man selbst in Gefahr, zahlungsunfähig zu werden, und zudem habe die Bredo-Werft einen Großteil des Schiffs neu gebaut.

Deshalb “meinen wir, dass der von uns hergestellte, leere, nicht schwimmfähige Kasko unserem Hause gehört, bis wir vollständig bezahlt sind”, zitiert der “Spiegel” aus dem Schreiben an das Ausrüstungsamt.

Kompromiss in Bremen geschlossen

Dass für den Moment “nur” noch 4,3 Millionen Euro gefordert werden, gegen deren Zahlung das Schiff freigegeben werden soll, ist das Ergebnis vermittelnder Gespräche. Wirtschaftspolitiker aus Bremen und Niedersachsen hätten sich am Dienstag vergangener Woche mit den Chefs der Werften in der Bremer Wirtschaftsbehörde getroffen. Man sei übereingekommen, dass die Bredo-Werft einen legitimen Anspruch auf 4,3 Millionen habe und die “Gorch Fock” im Fall von Zahlungen in dieser Höhe ausdocken werde.

Muss die Bundeswehr doppelt zahlen?

Die Frage ist, ob der Auftraggeber der Schiffssanierung am Ende bereit sein wird, doppelt zu zahlen: Die Bundeswehr hatte der Elsflether Werft bereits Millionen überwiesen. Die hat die Werft aber nicht nach Bremerhaven weitergeleitet.

Nun müsste die Bundeswehr, um die Bredo-Werft zufriedenzustellen, erneut viel Geld investieren. Es geht um drei Millionen Euro, die direkt von den Streitkräften an die Bredo-Werft gehen sollen. Die Bundeswehr lehnt dies ab.

Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) fürchtet jedoch, dass eine Insolvenz der Bredo-Werft eine Kettenreaktion zur Folge hätte. “Der Bund hat eine Verantwortung gegenüber der Werft und sollte die drei Millionen Euro ohne Auflagen auszahlen”, sagte Günthner.

Am 21. Juni soll das Segelschulschiff ausgedockt werden. Ist bis dahin kein Geld geflossen, wollen die Mitarbeiter offenbar den Weg versperren und so verhindern, dass die “Gorch Fock” ins Wasser kommt.

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