Stirbt der kleine Handwerks-Bäcker aus?

Immer mehr kleine Bäckereien machen in Deutschland dicht weil sie dem Wettbewerb nicht mehr stand halten können. Und die Politik verschärft diesen Wettbewerb weiter mit gegen das Handwerk gerichteten Gesetzen. Ein aktuelles Beispiel ist die EEG – Umlage, die für Kostensteigerungen bei kleinen Bäckereien von bis zu 1422 Prozent sorgt.

Brötchen 1Eine Petition des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks fordert deshalb, „schnellstmöglich zu einer Finanzierung der Energiewende aus Mitteln des Bundes überzugehen – ohne dass es zu einer zusätzlichen Belastung der Verbraucher und Unternehmen kommt“.

Während Produzenten von industriell gefertigten Teiglingen, die tiefgefroren ausgeliefert später in Discount-Backshops aufgebacken werden, von der Umlage zur Förderung des Ausbau der Erneuerbaren Energien befreit sind, haben kleine Bäckerbetriebe durch die EEG-Umlage Kostensteigerungen bis zu 1.422 Prozent zu verkraften.

Um im Wettbewerb mit großen Teigling-Produzenten bestehen zu können, bräuchte man faire Rahmenbedingungen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks, Armin Werner, am Montag vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Als sachgerecht bewertete er die Anfang des Jahres von der bayrischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ins Spiel gebrachte kreditfinanzierte Fondlösung für die EEG-Umlage. „Wir brauchen eine Deckelung als einen verlässlichen Wert, damit die Betriebe planen können“, sagte Werner.

Das Wirtschaftsministerium interessieren diese Fakten aber überhaupt nicht.

„Wir haben darüber nachgedacht, sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Fondlösung nicht funktioniert“, machte hingegen die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries (SPD), deutlich. Die benötigten Summen wären nicht einzusammeln, was die Sorge mit sich brächte, „dass es am Ende doch der Haushalt zahlen muss“. Auch eine Steuerförderung für erneuerbare Energien lehnte Zypries ab. „Das ist für uns kein Weg.“

Auf Nachfrage erläuterte die Staatssekretärin, weshalb einige größere Teigling-Produzenten auf der Liste der von der Umlage zu befreienden Unternehmen stünden und kleinere Bäckereien nicht. Entscheidend sei, ob es ein stromkostenintensives Unternehmen ist, das im internationalen Wettbewerb steht. „Das ist beim kleinen Bäcker um die Ecke in aller Regel nicht der Fall“, sagte sie.

An einer Lösung dieser Ungerechtigkeit ist man in Berlin offensichtlich nicht interessiert. Das einzige was hilft ist, Ihrem Stamm-Bäcker trotz höherer Preise, treu zu bleiben. Und ehrlich gesagt schmeckt es bei denen auch viel besser.

Stirbt nun der kleine Handwerks-Bäcker aus? Ich glaube, das am Ende nicht viele übrig bleiben werden. Nur wer sich vom 0-8-15-Geschmack abhebt wird in der Branche auf Dauer eine Chance haben. Über den Preis kann ein kleiner Bäcker keinen Blumentopf gewinnen.

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