Wann die Bausparkasse kündigen darf – und wann nicht

GeldDie Landesbausparkasse (LBS) Hessen-Thüringen kündigt zum 31. Mai 2015 rund 4500 Bausparverträge. Tausenden Bausparern büßen so ihre hoch verzinsten Altverträge ein. Aber dürfen diese Bauspar-Verträge einfach so gekündigt werden?

Auch andere Bausparkassen verfahren ähnlich: So kündigte etwa die LBS Bayern vor wenigen Wochen 26 000 gut verzinste Altverträge. Und die Bausparkassen in und um Dresden versuchen auch alle die Altverträge los zu werden.

Wenn 30-jährige Bausparverträge vor sich hin schlummern und das Ersparte für heutige Zeiten bombastisch verzinst wird, ist klar, dass Bausparkassen die alten Verträge loswerden wollen – Durch Kündigung oder Umstellung auf einen neuen Tarif. Außerdem sollen die Bausparkassen auch auf Drängen der Finanzaufsicht Bafin hoch verzinste Verträge mit Altkunden kündigen.Wenn die Bausparkasse anruft oder der Vertreter vor der Tür steht, fragen sich viele Bausparer deshalb: Darf die Bausparkasse meinen Vertrag kündigen? Wie soll ich reagieren?

Wann darf die Bausparkasse den Bausparvertrag kündigen?

Es gibt ein Urteil des Oberlandgerichts in Hannover (Az. 13 O 14/09), das den Bausparkassen die Kündigung des Vertrags erlaubt, wenn das Guthaben die Höhe des Bausparvertrags überschritten hat. Denn mit Erreichen der Bausparsumme ist das Vertragsziel erfüllt.

Genau gesagt: Wurde eine Bausparsumme von 100.000 Euro vereinbart, kann der Bausparvertrag solange bespart werden, bis diese 100.000 Euro erreicht sind – unabhängig davon, ob ursprünglich nur eine Ansparung bis 60.000 Euro und ein Darlehen für 40.000 Euro geplant waren. Denn das Bausparziel sind nun mal die 100.000 Euro.

Das bedeutet, dass die Bausparkassen jetzt darauf warten, bis eine Überzahlung des Bausparvertrags erreicht ist. Dann darf von der Bausparkasse gekündigt werden, vorher nicht.

Lasst Euch von Vertretern nicht verunsichern

Es gibt Bausparkassen, die versehen ihre Vertreter mit Extraprämien, wenn sie einen hoch verzinsten Altvertrag in einen neuen Vertrag, also Niedrigzinstarif umstellen. Wer einen lohnenswerten Altvertrag hat, wird deshalb häufiger Anrufe oder gar Vertreterbesuche erhalten (Wenn man den Vertreter reinlässt 😉 ).

Auch wenn ein Bausparvertrag verwendet wird, um vermögenswirksame Leistungen anzulegen plus Arbeitnehmersparzulage, wird sicher nach sieben Jahren einen Vertreterbesuch von der Bausparkasse erfolgen, da der erste Bausparschritt, die Spardauer von sieben Jahren für die Förderung, erledigt und vielleicht sogar schon das Mindestguthaben von 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme erreicht ist.

Wer jedoch nicht bauen, sondern nur sparen oder die staatliche Förderungen mitnehmen will, sollte keinen neuen Vertrag unterschreiben und auch keine Vertragsaufstockung, denn jeder Vertrag kann schließlich bis zur Vertragssumme gleich Bausparsumme bespart werden.

Das gewährleistet meist höhere Guthabenverzinsung als es bei den neuen Verträgen der Fall sein würde und spart zudem die Abschlussgebühr für einen neuen Vertrag.

In alte Bausparverträge mit 4 bis 6% Guthabensverzinsung sollten reine Sparer weiter einzahlen. Die Bausparkasse wird sivh schon melden wenn das Konto voll ist.

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