Nachtarbeit verursacht Krebs

Nachtarbeit verursacht Krebs

Das Nachtarbeit nicht gerade die Gesundheit fördert, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben. Man hatte auch schon den Verdacht gehabt, das Nachtarbeit das Risiko an Krebs zu erkranken, erhöht. Doch jetzt wissen wir: Nachtarbeit verursacht Krebs

Nachtarbeit löst Krebs aus

Das sich wiederholende Nachtarbeit tatsächlich Krebs auslöst bzw. verursacht ist aber eine ganz neue, nun wissenschaftlich bewiesene Erkenntnis.

Bereits 2007 hat ein internationales Forscherteam ermittelt, dass Nachtarbeit »wahrscheinlich karzinogen« ist. Die aktuelle arbeitsmedizinische Forschung hat jetzt das Krebsrisiko bestätigt.

Zu diesem Urteil kam ein Gremium von 27 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das den Zusammenhang für die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) aktuell untersucht und geprüft hat.

Die Kommission war im Auftrag der IARC in Lyon tätig, eine Abteilung der Weltgesundheitsbehörde der Vereinten Nationen. Sie hat neue, relevante Studien analysiert und kommt erneut zum Fazit: Nachtschichten sind »wahrscheinlich karzinogen«. Die Einschätzung wurde damit zum zweiten Mal in Folge bestätigt.

Millionen Beschäftigte arbeiten in Schichtsystemen

Der Schrecken war deshalb so groß, weil Schichtarbeit generell weit – und Nachtschichten zumindest in erheblichem Ausmaß – im Arbeitsalltag verbreitet sind, und zwar von der Produktion über die Pflege bis zur Polizei. Die Zahl der Schichtarbeiter/innen lag 2015 in Deutschland bei 5,6 Mio. Beschäftigten, 20 Jahre früher, im Jahr 1995, waren es noch 3,8 Mio. Regelmäßig Nachtarbeit absolvieren 2,9 Mio. Beschäftigte (2015), 1995 waren es noch 2,4 Mio. Allein die Zahl der Arbeitnehmer/innen mit Nachtschichten ist in den letzten 20 Jahren um 500000 oder rund 21% gestiegen.

Auch ältere Studien belegen das Krebs-Risiko

Auch eine Auswertung von kanadischen Forschern kommt zu dem Schluss, dass Nachtschichten für ein erhöhtes Tumorrisiko verantwortlich sind (Parent M-E et al./Am J Epidemiol 2012; 176: 751–759). Bei der Auswertung fiel auf, dass Männer mit Krebs deutlich häufiger als solche ohne Krebserkrankung in der Vergangenheit nachts gearbeitet hatten. Die Wissenschaftler bereinigten die Studie um andere bekannte Risikofaktoren und errechneten, dass Schichtarbeiter ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Prostatakrebs, ein 2,3-fach erhöhtes Risiko für Non- Hodgkin-Lymphome und Pankreaskarzinome, ein doppelt so hohes Risiko für Kolon- und Rektalkarzinome sowie ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Lungen- und Blasenkrebs hatten. 

Nachtarbeit ebenso schädlich wie Glyphosat

Niemand käme auf die Idee sich ungeschützt Glyphosat auszusetzen. Nach Einordnung in die Gruppe 2A liegt Nachtarbeit auf gleicher WHO-Stufe wie das umstrittene Herbizid Glyphosat, die Nitrosamine NDMA und NDEA (vor einiger Zeit in Sartanen nachgewiesen), rotes Fleisch und die Tätigkeit als Friseur bzw. das intensive Hantieren mit Haarfärbemitteln.

Die Wissenschaftler betonen aber, dass die Kategorie lediglich Aussagen über die Evidenzstärke zulässt, dass Nachtarbeit unter bestimmten Umständen krebsauslösend wirken kann. Die Höhe des Risikos lässt sich damit aber nicht bewerten. Mit welcher Wahrscheinlichkeit Nachtschichten Karzinome fördern, ist nach wie vor unklar. Deshalb gibt es von der WHO auch keine Empfehlungen für Betroffene. Sie geben jedoch allen nachtarbeitenden Personen den Rat, bei Unsicherheiten bezüglich des eigenen Gesundheitszustands einen Arzt um Hilfe zu bitten.

Quellen:

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